Gustav-Ströhmfeld-Weg – Tafel 15

Wegsymbol-Gustav-Ströhmfeld-Weg

Naturschutzgebiet Neuffener Hörnle/Jusiberg
Biotop aus zweiter Hand

NSG-Neuffener-Hoernle (Foto: Kreh)

Anmerkung: Durch Anklicken der Bilder erhalten Sie eine vergrößerte Darstellung mit Bildunterschrift.

Der aufgelassene Steinbruch ist ein riesiger geologischer Aufschluss im Oberjura (Weißjura). Die Gesteine bestehen aus einem auffallenden Wechsel von hellen, festeren Kalksteinen und dunkleren Mergeln. Zutage treten Impressamergel, Wohlgeschichtete Kalke, Lacunosamergel und Untere Felsenkalke (Weißjura α, β, γ, δ).

1902 begann das Zementwerk Nürtingen am Hörnle mit dem Abbau von Kalkstein und Mergel. Der Berg wurde in den folgenden Jahrzehnten weithin sichtbar angeschnitten. In den 50er-Jahren entbrannte ein Streit um den weiteren Abbau (siehe Infotafel auf dem Hörnle). Das Zementwerk erhielt eine befristete Abbaugenehmigung und stellte den Abbau 1974 ein.

Wie konnte aus einem so großen Landschaftseingriff ein Naturschutzgebiet werden?
Ende der 1970er-Jahre wurde der aufgelassene Steinbruch rekultiviert: Zur optischen Gliederung der bis zu 130 Meter hohen Felswand pflanzte man auf den vier Bermen (Absätzen) Gehölze an. Die Steinbruchsohle erhielt eine unregelmäßige Überdeckung mit Rohboden, an Quellaustritten formte man Mulden, die sich mit Wasser füllten. Hier siedelten sich von selbst Pflanzen an.

Seit 1980 entwickelt sich der Steinbruch fast ohne menschlichen Einfluss. In der Natur aus zweiter Hand sind Lebensräume für Pflanzen und Tiere entstanden: von extrem trockenen Standorten in der Felswand bis zu kleinen Tümpeln in der Steinbruchsohle. Artenreich ist die Vogelwelt: über 100 Vogelarten kommen hier vor, darunter Baumfalke, Sperber, Steinschmätzer, Wanderfalke, Uhu und Kolkrabe. Die Tümpel sind ein Paradies für Amphibien, für die besonders geschützte Gelbbauchunke, aber auch für Molche, Grasfrösche und Erdkröten. Daneben sind Lebensräume für Reptilien, Schmetterlinge, Libellen, Wildbienen und Käfer vorhanden.

1997 wurde das 48 Hektar große Naturschutzgebiet ausgewiesen, das aus zwei Teilen besteht: dem stillgelegten Steinbruch und dem sich Richtung Jusi anschließenden Hangwald am Jusenberg. Eine Besonderheit auf dem Bergrücken am Jusenberg ist der Eichen-Trockenwald mit Kreuzungen aus Flaum- und Trauben-Eiche sowie Blaurotem Steinsamen in der Krautschicht.

HoernleTümpel (Foto: Reg. Präs. Stuttgart)Der Tümpel am Fuß des Steinbruchs bietet vielen Amphibien einen Lebensraum. Das Betreten des Steinbruchs ist aus Naturschutz- und Sicherheitsgründen nicht erlaubt.

Gelbbauchunken (Foto: Waldmann)Gelbbauchunken sind am Bauch leuchtend gelb gefärbt, eine Warnung an Fressfeinde.

Blauroter Steinsame (Foto: Reg. Präs. Stuttgart)
Der Blaurote Steinsame blüht von April bis Juni. Die Blüte ist erst purpurrot und geht dann in ein tiefes Blau über, daher die Bezeichnung „blaurot“.

Kleiner Eisvogel (Foto: Waldmann)Der Kleine Eisvogel, hier beim Sonnen, saugt außer an Blüten auch an feuchter Erde und Schweiß.